Die Gewerkschaft der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern (GdP M-V) erklärt das deutsche Gewaltproblem im Fußball. Dabei wird auf gewalttätige Ultras, allgemeine Gefahren für den deutschen Fußball sowie auf den negativen Wirtschaftsfaktor für Vereine eingegangen. Einige Auszüge dieser umfangreichen Ausarbeitung, welche natürlich nur den einseitigen Blickwinkel der Polizei darlegt, publiziert Ostfussball.com nachfolgend an dieser Stelle zur eigenen meinungsbildenden Lektüre.
Eine Art offener Brief an den Autor des Artikels.
Sehr geehrter Herr Kühl,
vielen Dank für Ihren wunderbaren Beitrag “Der deutsche Fußball und sein Gewaltproblem”.
Sie schreiben mit vielen schönen Worten jede Menge interessante Dinge.
Auf einige davon möchte ich – wenn Sie gestatten – kurz eingehen:
„Verletzte Ordner, Polizisten und Besucher von Stadien sind jedes Wochenende zu beklagen. Die Gewalt nimmt in Intensität und Härte weiter zu. Eine offene Bauchwunde eines Polizisten in Osnabrück nach dem Wurf eines Böllers, Fans die um ihr Leben laufen, um nicht von Dresdner Ultras erreicht zu werden, das gezielte Abfeuern von Leuchtraketen auf den Gästefanbereich bestimmen mittlerweile die Schlagzeilen und die Diskussionen.”
Es ist wirklich schade, dass es immer wieder zu Verletzten in Stadien kommt. Gehen wir der Sache doch mal sachlich auf den Grund, Sie haben doch sicher Statistiken zu diesem Thema. Mich interessiert, wie viel Prozent der Verletzten durch Böller und Leuchtspur verletzt werden. Dies ist – da muss ich Ihnen zustimmen – eine Unsitte. Jedoch ist es falsch, dies als ein Problem der Ultraszene oder der heutigen Zeit zu betrachten, wie Sie – auch wenn Sie dies bewusst verschweigen – sicherlich wissen. Die Hochzeit solcher Aktionen waren vielmehr die 80er und 90er Jahre. Aber da es dort in Deutschland keine Ultras gab, kann man damit natürlich in Ihrer Lage schlecht argumentieren. Wie soll denn sonst den Lesern auch das Gewaltproblem nahegebracht werden? Sehr spannend fände ich auch die Zahl der Verletzten durch unnötigen Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray durch Polizeibeamte oder aggressive und schlecht ausgebildete Ordner.
Die „gewaltbereiten Ultras“ – wie ich persönlich finde, eine subjektive, nicht zutreffende Verallgemeinerung – nehmen also Einfluss auf die Spieltagsplanung.
Irgendwie interessant. Seit Jahren gibt es Kampagnen wie Pro15:30, die es nicht schaffen, Einfluss zu nehmen. Bisher dachte ich, dass Polizei und DFL schuld daran sind, dank Ihnen weiß ich nun, dass es die Ultras sind. Diese scheinen zusätzlich noch plündernd und brandschatzend durch die Lande zu ziehen. Rastplätze und Bahn sind scheinbar Kriegsschauplätze. Sogar der reguläre Spielbetrieb ist gefährdet.
Vielen Dank, dass Sie mich aufklären – wenn auch ein paar Quellenangaben (bitte nicht Polizeiberichte, die sind auch nicht näher an den Fakten oder objektiver, als die Bild oder der Express) nett wären. Ich scheine wöchentlich andere Bahnen zu benutzen, andere Stadien zu besuchen und auch andere Rastplätze aufzusuchen, als diese Verbrecher. Dabei sollte doch bei zweiwöchentlichen Reisen durch Deutschland und intensiver Bahnbenutzung im Ruhrgebiet wenigstens ab und an mal meine Gesundheit gefährdet sein. Oder ist das hier nur das gleiche Prinzip, wie es die Bush-Administration so schön vorgelebt hat? Das Schaffen einer fiktiven Bedrohung um weitergehende Befugnisse zu erhalten? Das wäre ja sinnvoll – wenn man gerne mehr Stellen, mehr Macht und überhaupt ein besseres Standing für seine Behörde möchte.
Regelmäßige Erstürmung klingt auch – für Laien – sehr nach gefährlichen Horden. Ebenso die „nicht mehr kontrollierbaren“ Blöcke. Allerdings muss man – wenn Sie objektiv drüber nachdenken, oder dies zumindest versuchen – doch sagen, dass auch diese Erstürmungen früher häufiger der Fall waren und die Blöcke gar nicht kontrolliert wurden.
Eine meiner absoluten Lieblingspassagen, die mir ganz klar zeigt, dass diese Ultras wirklich vom Teufel gesandt wurden, ist die folgende: „In den letzten Jahren fand eine immer stärkere Vernetzung der einzelnen Ultraszenen statt. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass gemeinnützige Vereine gegründet und geschlossene Netzwerke gebildet wurden.“ Wie können die nur? Sich organisieren in Vereinen? Noch dazu gemeinnützig? Das schreit ja geradezu nach Gewalt, Verfassungsfeindlichkeit und Kriminalität. Wie sonst sollte man unentgeltliches soziales Engagement bezeichnen?
Problematisch ist natürlich, dass die Ultras „eine fast schon krankhafte Angst vor Infiltration durch die Polizei und den Staat im Allgemeinen“ haben. Wie können die nur? Wo doch die Polizei ihr Freund und Helfer ist und stets zum Dialog bereit ist. Auch Sie reichen den Ultras ja geradezu die Hand und schreiben diesen objektiven Artikel. Wie diese verzogenen Gewalttäter sich da erdreisten können, keine Ihrer Kollegen in Ihrer Mitte zu dulden, fragt sich wohl jeder aufrechte Bürger. Haben da eventuell einige Ihrer übereifrigen Kollegen im Eska… äh… Deeskalationstraining wieder nicht aufgepasst? Hat da wieder jemand den goldenen Schlagstock verdient? In diesem Falle sind gewisse Ressentiments durchaus nicht ganz unverständlich, oder? Oder wie reagieren Sie, wenn Sie bei Auswärtsfahrten keinerlei Rechte haben, dafür aber drangsaliert werden? Mit Liebe und Zuneigung?
Sehr schön finde ich auch den humoristischen Zwischenpart, der Außenstehenden allerdings vorgaukelt, der Realität zu entsprechen. Bitte kennzeichnen Sie Ironie in Zukunft etwas deutlicher, bevor falsche Schlüsse gezogen werden. Sie wissen schon, das Punktesystem. Klar klingt es witzig und fast jeder merkt, dass es nicht ernstgemeint ist, aber es gibt halt auch Menschen, die weniger schnell denken. Zu deren Schutz vor falschen Erkenntnissen dieser Tipp.
„Durch die Gründung von Dachvereinen sichert sich die Ultrabewegung ihre Geschäftsfähigkeit und weitere Finanzierungsmöglichkeiten. Neben der Erhebung von Mitgliedsbeiträgen ist so auch die Anmietung von Sonderzügen für Eventfahrten möglich.“
Jetzt stehe ich etwas auf dem Schlauch, muss ich schweren Herzens gestehen. Ich bin halt doch nur ein Normalbürger und Fußballfan und dementsprechend vermutlich einfach nicht gewappnet für Ihre begnadete Logik und Rhetorik.
Erhebung von Mitgliedsbeiträgen ist also nur mit Dachvereinen möglich? Wie kommt es dann, dass auch meine Gruppe Beiträge erhebt? Nutzen wir eine Gesetzeslücke? Tun wir etwas Illegales? Bitte klären Sie mich auf.
Noch verwirrender finde ich den Verweis auf die Sonderzüge. Das ist doch spitze, oder? Irgendwie passt diese frohe Botschaft aber nicht in den Tenor Ihres Artikels, weswegen ich lieber noch einmal nachfrage:
Wenn Diese gewaltbereiten Horden einen Sonderzug nutzen, dann treffen Sie doch weder auf Rastplätzen, noch in der Bahn auf ahnungslose, zurecht ängstliche Mitbürger. Dies ist doch wunderbar und sollte unterstützt werden um die innere Sicherheit unseres Landes zu retten. Zusätzlich sind dadurch doch Polizisten frei. Also kann man sich entweder weniger wichtigen Themen wie Mord, Vergewaltigung und Co widmen, Urlaub machen oder an anderen Rastplätzen und in anderen Bahnen das Hauptgesellschaftsproblem „Ultras“ angehen.
Jetzt finden Sie einen nahtlosen, toll gelungenen Übergang zum Thema Wirtschaft und erkennen direkt, dass Kommerzialisierung dem „Ultramanifest“ widerspricht. Klasse. Wirkt auf Außenstehende direkt sehr belesen und empathisch und führt auch noch die Absurdität der Ultras vor Augen. Chapeau.
Allerdings finde ich einiges merkwürdig. Diese wenigen Ultras, die, wie Sie ja selber anführen, für die Wirtschaftskraft des Vereins nicht von großem Belang sind, entziehen diesem (da Sie ja zu großen Teilen wirtschaftlich beschränkte Möglichkeiten haben) Geld, was diesen wirtschaftlich schwächt. Ich weiß nicht, ob zusätzlich zu meinen schwachen wirtschaftlichen Möglichkeiten auch meine kognitiven beschränkt sind, aber mir persönlich kommt dies widersprüchlich vor.
Ach so. Das mit dem Ultramanifest ist eh so eine Sache. Aber das sollten Sie als Kenner ja wissen. Ansonsten fragen Sie doch Onkel Pilz, der ist vermutlich der Einzige, der noch fundierteres Wissen über die Szene hat, als Sie oder die meisten SKBs. Vermutlich hat er sich im Punktesystem nach oben gekämpft, wie sonst könnte man in dieser geschlossenen Ultragesellschaft an Informationen gelangen?
„Die Ultras sind im täglichen Leben sehr präsent. Neben den häufigen Treffen in den Vereinsräumen, trifft man sich in Diskotheken und anderen Szenelokalen.“
Dieser Satz hat mich schockiert. Diese Teufel sind so infam und tarnen sich zwischendurch als normale Menschen? Sie gehen in Kneipen und Diskotheken? Ich hoffe mal, dass ich wenigstens auf der Arbeit vor ihnen sicher bin. Wirtschaftlich schwache Menschen mit solchem Aggressionspotential sind doch sicherlich alle arbeitslos, oder? Sollte man diesen Subjekten nicht verbieten, den Fuß vor die Tür zu setzen? Vielleicht habe ich ja sogar unwissentlich schon mal Kontakt mit einem gehabt. Letztens in der Kneipe saß ich bei einem Wasser da und ein komischer, brutal aussehender Kerl (biertrinkend) sah mich aggressiv an. War das eventuell ein ultra? Hätte ich Ihre Kollegen rufen sollen?
Aber ab und an müssen die wohl wirklich vor die Tür. Jetzt – und das ist wirklich erschreckend – traue ich mich nicht mehr ins Fitnessstudio. Nachher begegne ich dort diesen Kampfsportlern und sie greifen mich hinterrücks an. Oder schlimmer noch: Wenn ich trainiere und Fußball schaue, könnte ich selber dieser Truppe zugeordnet werden. Meine gesamte Reputation wäre im Eimer, wenn Sie diesen saloppen Ton entschuldigen würden.
Ein weiterer toller Abschnitt ist der folgende:
„Durch das vorhandene Bildungsniveau gelingt es den Ultras sowohl bei den Vereinsgremien als auch bei den Medien Gehör zu finden. Sie vermitteln den Eindruck, dass man mit ihnen über alles reden kann und sie eigentlich „nur“ aktive Fans des Vereins sind. Für Ausschreitungen machen sie in der Regel Einzeltäter, den Ordnungsdienst oder die Polizei verantwortlich. Durch die Unwissenheit der Gesprächspartner über die Struktur und die Ziele der Ultras erreichen sie immer wieder Verständnis für ihre Positionen und positive Verhandlungsergebnisse.“
Dazu ein paar Fragen und Anmerkungen:
Wie kommen diese rohen Kerle an Bildung? Und warum ist es nicht so, wie es doch in Deutschland vielen Studien zufolge ist, dass Bildung und Kaufkraft durchaus Hand in Hand gehen? Wie sieht eigentlich dieses „Gehör bei den Medien“ aus? Ich muss gestehen, ich verstehe die meisten Beiträge mit dem Wort „Ultra“ (oder halt dessen logischen Synonymen wie „sogenannte Fußballfans“, „Chaoten“, „Randalierer“, Hooligans“ bisher immer als negativ. Sollten die Ultras etwa noch schlimmer sein? Und Unwissenheit führt zu Verständnis? Ach kommen Sie, das ist nun aber wirklich scherzhaft gemeint, oder? Ich meine, dass Unwissenheit oder Unkenntnis zu Angst oder Ablehnung führt, war mir bewusst und ist auch bewiesen, aber zu Verständnis? Könnten Sie mir Kretin das bitte belegen, damit auch ich mich an Ihrem Wissen laben kann, ohne weitere offene Fragen?
„Ein häufiger Fehler im medialen Umgang mit den Ultras ist die Gleichsetzung mit Hooligans. Beide Gruppen sind in keiner Weise vergleichbar und verfolgen unterschiedliche Ziele. Hatten die Hooligans in erster Linie das Ziel ein Kräftemessen mit Gleichgesinnten durchzuführen (ersatzweise auch mal mit der Polizei), verfolgen die Ultras das Ziel, dem Fußball in allen Facetten ihren Stempel aufzudrücken.
Hatten Hooligans bei Auseinandersetzungen noch Regeln und einen Ehrenkodex werfen die Ultras zur Sicherung und Ausbau ihrer Macht alle Regeln über Bord. Auf ihrer Jagd nach Trophäen und gegnerischen Fanutensilien ist kein friedlicher Fußballfan mehr sicher. Mittlerweile gibt es im Internet Verhaltenshinweise für Auswärtsfahrten zu bestimmten Vereinen. Es wird empfohlen, bestimmte Straßenzüge zu meiden und wenn möglich, nur in größeren Gruppen zum Stadion zu gehen. Die Fanutensilien sollte bei der Anreise nur verdeckt getragen werden. Das sind die Szenarien, die die Anreise friedlicher Fußballfans zu einem Auswärtsspiel bestimmen. Verantwortlich für diese Entwicklung sind die Ultras und ihr Verständnis vom Event Fußball.“
Ein weiterer sehr interessanter – wenn auch sicher nicht ernstgemeinter – Absatz.
Richtig ist, dass Medien (und interessanterweise auch Ihre Kollegen bei der Polizei – vielleicht können Sie diese ja mal schulen) und deren Vertreter oft den Fehler machen, Hooligans und Ultras in einen Topf zu werfen. Dies geschieht deswegen, da der Begriff Ultras noch zu unbekannt, der Begriff Hooligans jedoch schon genügend negativ belastet ist. Dies zu Gunsten der Ultras auszulegen ist wirklich ein humoristisches Meisterstück.
Die Themen Ehrenkodex und Jagd nach Utensilien sind mir etwas zu oberflächlich behandelt worden. Schon in den 70ern war dies in Ost und West gang und gebe (also das sogenannte Ziehen oder Ruppen). Es ist also sicherlich – wenn es auch nicht legal und nicht schön ist – keine Erfindung der Ultras und tritt auch nicht stärker auf, als früher. Ehrenkodex ist wieder mal ein schönes Wort. Diesen gibt es bei Hooligans (meist) und Ultras (relativ häufig). Beide Gruppen sind jedoch vereint in der Ansicht, dass Außenstehende möglichst nicht in die Angelegenheiten einbezogen werden. Die Empfehlung bestimmte Stadtteile zu meiden, kam, fernab vom Fußball, auch in ausländischen Medien vor der WM 2006 vor. Auch in meiner Stadt und anderen Großstädten gibt es Viertel, die man nicht unbedingt abends oder alleine durchqueren möchte (ja manchmal fahren nicht einmal mehr Ihre Kollegen dort alleine lang). Dies liegt also alles an den Ultras? Und ich dachte schon, dass dies an tiefergehenden sozialpolitischen Themen wie Gettoisierung liegen könnte. Zum Glück haben Sie mich bekehrt. Ich fühle mich jetzt, da das Problem viel greifbarer und lösbarer erscheint viel sicherer und erwarte eine schnelle und gewohnt kompetente Lösung.
„Die Ultraszene übt eine ungebrochene Anziehungskraft auf Kinder und Jugendliche aus. Auf der Suche nach Halt und Anerkennung in der Gesellschaft, finden die Kinder und Jugendlichen gleichgesinnte Partner in der Ultraszene. Durch das immer geringer werdende staatliche Angebot von Freizeitaktivitäten erhöht sich das Potential von Kinder und Jugendlichen, die die Treffpunkte der Ultras nutzen. Bei den Diskussionen über den Fußball und beim Herstellen der Choreografien finden sie Anerkennung, fühlen sich verstanden und gehören zur Gruppe. Die regelmäßigen Besuche der Treffpunkte ermöglicht auch eine intensive Werbung für die Grundsätzen und den Verhaltenskodexes der Ultras.“
Das ist mal ein Absatz, der mich verwundert. Der Staat ist doch perfekt, oder? Wie kann es dann sein, dass Jugendliche sich dennoch den Ultras zuwenden? Welches Ziel verfolgt der Staat denn mit diesen Kürzungen (übrigens ist auch die Unterstützung der Fanprojekte durch die Länder nicht gerade das Gelbe vom Ei)?
Und was ist so schlimm an kostenfreien Beschäftigungen, die Jugendliche von den Straßen holen? Wird dort heimlich eine terroristische Bewegung gegründet, die die Straßen langfristig noch unsicherer macht? Oder werden dort Kreativität, Zusammenhalt, Denken entgegen des Mainstream, Liebe zum Sport und weitere Dinge vermittelt, die eigentlich Sache der Eltern und des Staates sind? Wer versagt und wer sich hier gut engagiert, ist doch eigentlich logisch, oder?
Jetzt legen Sie sogar noch mal richtig los. Zwischen den Zeilen des nächsten Absatzes gelesen, sieht man, dass Demokratie und Vereinsrecht gefährlich sind. Herr Kühl, sind Sie etwa verfassungsfeindlich und sollten beobachtet werden? Ich hoffe, Sie lassen dann ständige Drangsalierung und Überwachung zu, sonst müsste ich denken, dass Sie mit den aussagen zur Angst vor Infiltration eine gewisse Bigotterie an den Tag legen.
„Der Anfang einer Lösung beginnt bei den Vereinen. Sie müssen sich konsequent von dem gewaltbereiten Teil der Ultras distanzieren. Dazu gehört auch, Maßnahmen gegen die gesamte Ultraszene anzudrohen und auch zu vollziehen, wenn sie sich nicht von den Gewalttätern trennt. Die Situation ist derart gefährlich, dass häufig nur noch konsequentes Vorgehen gegen die gewaltbereite Szene zur Lösung führt.
Es sollte darüber nachgedacht werden, ob die Vereinsstrukturen aufgrund der brisanten Situation noch zeitgemäß sind. Ein durch die Mitgliederversammlung zu wählender Aufsichtsrat ist eine Schwachstelle, wenn man bedenkt, dass die Mitgliederversammlung durch die zahlreichen Mitglieder der Ultraszene dominiert werden kann.“
Sippenhaft ist also der richtige Weg? Es erfreut mich, dass so das polizeiliche Verständnis eines Rechtstaates aussieht. Es deckt sich wunderbar mit den Ansichten von Saddam, Assad und Co. Und diesen wollen wir doch alle nacheifern, oder? Die Situation ist also derart gefährlich? Aber jetzt, wo Sie diese unheimliche Bedrohung aufgedeckt haben, kann ja an sich nichts mehr passieren.
Konsequentes Vorgehen hilft also?
Wie sieht denn diese Konsequenz aus? Bisher kenn ich die Varianten Sippenhaft (wie oben zu lesen sinnvoll und wünschenswert), unbegründete (oder zur Not durch Lügen erreichte) Stadion- und Stadtverbote und natürlich die beliebten erfundenen anzeigen, Pfefferspray in Menschenmengen und ähnliches. Heißt Konsequenz in diesem Zusammenhang, dass Sie wirklich einmal konsequent den propagierten – aber nie wirklich umgesetzten (ok, Schulungen sind teuer, Empathie kann man im Gegensatz zu Stockkampf nicht lernen…) – Ansatz der Deeskalation nutzen möchten? Oder werden nur die Instrumente der Willkür stärker und flächendeckender eingesetzt?
Letzteres würde natürlich die Spirale der Ablehnung aufhalten. Sie als scheinbar promovierter Psychologe und Soziologe haben da wohl das Ei des Kolumbus neu entdeckt. Respekt dafür. Oder ist konsequentes Vorgehen etwa wieder mal nur eine leere Worthülse, die vortäuschen soll, dass die Polizei weiß, was sie tut? Wirklich viel Innovatives (wenn man davon ausgeht, dass wir nicht in den 30ern leben) ist da nun wirklich nicht dabei.
„Die Berufung von Fanbeauftragten aus der Ultraszene eines Vereins sind Organisationsentscheidungen, die schnellstmöglich revidiert werden müssen. Es ist nicht möglich Maßnahmen gegen gewaltbereite Ultras durchzuführen, wenn der Fanbeauftragte in der Ultraszene tief verwurzelt ist. Eine derartige Konstellation ist keinem Partner des Vereins zuzumuten. Dem Verein muss klar sein: gewaltbereite Ultras können nicht in die herkömmliche Fanarbeit integriert werden. Sie verfolgen ihre eigenen Ziele, die zum Teil den Vereinszielen entgegenstehen. Das Ziel einer neuausgerichteten Fanarbeit sollte die Zurückdrängung des Einflusses der Ultras sein.
Diese Fanarbeit sollte durch Personen geleistet werden, die eine sozialpädagogische Ausbildung vorweisen können. Des Weiteren sind diese Fanbetreuer intensiv über die Ultraszene aufzuklären und fortzubilden. Wünschenswert wäre es, wenn ehemalige Spieler des Vereins in die Fanarbeit integriert werden. Auch diese sind im Vorfeld intensiv zu beschulen.“
Hm. Es ist also verkehrt, Leute, die die Fanszene und „ihre Pappenheimer“ kennen als Fanbeauftragte einzusetzen? Stattdessen sollten auswärtige Personen gewählt werden? Dazu eine kleine Frage: Warum wehrt sich die Polizei eigentlich so standhaft gegen Überprüfungen von unabhängiger Seite? Warum dürfen Polizisten, die sich – allen Statistiken nach – ordentlich gegenseitig decken, gegeneinander ermitteln und zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass der Betroffene unschuldig ist? Sollte die Polizei dann nicht mit gutem Beispiel vorangehen?
Ok, ich gebe zu, dass dieses Beispiel etwas an Ihrem vorbeigeht. Aber ich versuche das mal anders zu erläutern, vielleicht verstehen Sie dies ja.
In der Schule haben wir früher immer den Klassensprecher gewählt. Meist war dies einer der Rabauken. Hätte man stattdessen jemanden von Außen genommen, wäre keiner jemals zu dieser Person gegangen und die Position hätte sich selbst ad absurdum geführt. Das Selbe geschieht, wenn man einer gewachsenen Fanszene szenefremde Personen aufoktruiert. Diese finden keine Akzeptanz und werden demnach immer nur ein Schattendasein führen.
Sozialpädagogische Schulungen halte ich für eine gute Sache. Wenn genug Gelder in die Fanprojekte fließen wäre das auch machbar (und in vielen Vereinen ist es auch so). Aber auch hier einmal die Frage: Sollten nicht Leute, die mit Stöcken und Pfefferspray hantieren zumindest halbwegs emotional ausgeglichen sein? Sollten nicht gerade diese Personen vernünftig ausgewählt und geschult werden? Und zwar im sozialen, wie auch im psychologischen Bereich? Gehen Sie mit gutem Beispiel voran.
Interessant auch, dass Personen, die teilweise Interessen des Vereins entgegenstehen (welchen denn und auf welche Art? Weil diese Leute nicht die totale Kommerzialisierung wünschen? Tun dies nicht auch immer mehr Menschen in immer mehr Ländern außerhalb des Fußballs? Sollte man diese dann auch ausgrenzen, statt Sie miteinzubeziehen? Interessante Ideen, die von uns Steuerzahlern bezahlte Menschen so haben…) nicht integriert werden können und zurückgedrängt werden müssen. Ich fürchte, Sie kennen sich nicht sonderlich mit Massenpsychologie aus. Es kann schnell zu Solidarisierungseffekten führen, aber nur zu, gehen Sie weiter Ihren Weg.
„Die Gestaltung eines attraktiven Programms im Fanprojekt könnte den Einfluss der Ultras zurückdrängen.“
Nicht wirklich, aber dennoch wären staatliche Gelder für Fanprojekte und „normale“ Jugendhäuser doch mal was anderes, als andauernde Kürzungen. Na gut, für Theater und Museen zu sorgen ist halt wichtiger für diejenigen, die Macht und Geld haben, als Normalbürgern etwas zu bieten. Deshalb sollte man auch die Eintrittspreise für Stadien so weit nach oben setzen, dass der Pöbel nicht mehr teilhaben kann. Problem Ultras (wirtschaftlich schwach, wir erinnern uns) gelöst.
„Hundertschaften von Einsatzkräften versehen Woche für Woche ihren Dienst, um eine ordnungsgemäßen Spielbetrieb der Fußballligen abzusichern.“
Herr Kühl, noch mal der Versuch ernsthaft zu fragen: Wie fühlen Sie sich, wenn Sie aus einem Zug steigen (in den Sie menschenunwürdig gepfercht wurden) und dann von einer bewaffneten, vor Testosteron strotzenden, gerüsteten Masse empfangen werden? Jubeln Sie und fühlen sich sicher? Oder fühlen Sie sich bedroht und bedrängt? Zweiteres löst zwangsläufig uralte Reflexe / Instinkte aus. Entweder Flucht oder aber Aggression. Tja. Und wenn dann die Polizei über die Jahre ihr Image gekonnt zerstört hat (Kinder wollen schon lange nicht mehr Polizist werden oder mit diesen zutun haben, wie es dann wohl mit so wie beschrieben behandelten Menschen aussieht, kann man sich denken) ist die Sache doch ganz logisch. Die Masse agiert / reagiert mit Aggression. In der Masse steigert sich das dann noch. Ohne Hundertschaften wäre häufiger weniger passiert. Aber, wer sich nicht in andere Menschen hineindenken kann, der kann es halt nicht. Allerdings haben diese Leute dann auch nichts mit einer Uniform auf der Straße zu suchen. Büroarbeit oder Putzdienst wäre eine schöne Alternative. Oder kräftig anpacken und schöne Jugendhäuser bauen, mal so als Anregung.
Auf die Erstürmungen (wie so einige Dinge ein uralter Hut und nicht nur nicht von den Ultras erfunden, sondern auch nicht nur von denen praktiziert) gehe ich mal nicht weiter ein.
„Neben den Rechten und Pflichten eines Ordners sollte der Umgang mit brennender Pyrotechnik geschult und über das Phänomen „Ultra“ aufgeklärt werden.“
Mein Tipp: Lassen Sie die Schulungen besser von jemandem durchführen, der wenigstens marginal Bescheid weiß oder sich die Mühe gibt, die Dinge objektiv darzustellen (Ok, das passt natürlich nicht zu Ihrer Intention, aber Hey, es würde Sinn machen, falls das noch eine Bedeutung für Sie hat, Herr Kühl).
So… jetzt habe ich mal ein wenig was geschrieben, aber den größten humoristischen Aspekt habe ich doch glatt noch unerwähnt gelassen. Den folgenden Teil lasse ich mal einfach völlig unkommentiert wirken. Na gut, nicht völlig.
„Leiter Fachausschuss Schutzpolizei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Mecklenburg-Vorpommern“
Wenn Sie der Leiter eines Fachausschusses sind, wie sieht denn dann bitte das Wissen der anderen Beteiligten aus? Ist doch irgendwie grotesk, einen Blinden zum Farbenbeauftragten zu machen.
Besten Gruß und Danke für diesen lehrreichen und humorvollen Artikel, der mir die Arbeitszeit verkürzt hat.
Ollowain
PS: Wenn ich es recht bedenke, sollte man den Verfassungsschutz mal auf Grund Ihrer Demokratiefeindlichkeit und Propaganda dazu bringen, sich in Ihrem Fachausschuss umzusehen, denn der Fisch fängt ja am kopf an zu stinken.
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