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Fussball der Verfall einer Sportart

Fussball der Verfall einer Sportart

Der Fußball, wie man ihn einst kannte und liebte existiert nicht mehr. In den letzten Jahren hat sich eine Wandlung dieses Volkssports vollzogen, gegen die es anzukämpfen gilt. Man ging früher ins Stadion um sich ein Fußballspiel anzusehen. Man freute sich die ganze Woche über auf Samstag um die Mannschaft auf dem Platz spielen zu sehen, um sie kämpfen zu sehn, um sie gewinnen zu sehn.
Und jeder Fan tat was ihm möglich war um die Mannschaft zu unterstützen, man war Teil einer großen Masse die nur ein einziges Ziel hatte: Die Mannschaft zum Sieg zu schreien. Verlor die eigene Mannschaft war man 2 Tage darauf immer noch schlecht gelaunt. Das waren noch Fans.
Die Mannschaft spielte noch für eben diese Fans, für die Masse von der sie angefeuert wurde, für die Masse, von der sie bei einem Sieg frenetisch gefeiert und mit Applaus überhäuft wurde. Damals war es für einen Fußballspieler noch wichtig bei einem Tor die Jubelschreie dieser Fans zu hören, nach einem Sieg in ein zufriedenes und glückliches Gesicht sehen zu können. Man war sich bewusst dass man eine große Anzahl von Menschen mit guten Leistungen und Siegen glücklich macht. Das war noch Fußball.
Doch was ist heutzutage aus diesem Sport geworden? Beziehungsweise, was hat man daraus gemacht? Werbebanden prangen an den Spielfeldrändern, perfekt ausgerichtet auf die Perspektiven der Fernsehkameras. Durchsagen alá „XY Versicherungen präsentieren ein Tor“, ab und zu kreist ein „Kodak“ – Zeppelin über dem Stadion, teilweise werden horrende Preise für Eintrittskarten verlangt. Vor allem im Fernsehen lässt sich die Kommerzialisierung erkennen: Die Werbebranche kauft die Fernsehwerbeminute vor Anpfiff, in der Halbzeit und nach dem Schlusspfiff. Neue, bunte Sportmagazine mit Klatsch und Tratsch verkaufen sich ebenfalls prächtig und schließlich, dermaßen zugedröhnt mit der vollen Ladung Fußball, kaufen auch die lieben Kunden („Fans“) alles Erdenkliche, so nur ein Vereinslogo oder eine Lederkugel darauf prangt. Besonders während der WM wurde dies deutlich. Kein Werbespot ohne Fußball, kein Produkt ohne Deutschlandfarben. Die WM war die größte Marketingkampagne der Werbebranche, es wurden unglaubliche Umsätze gemacht. Fußball stand nicht im Mittelpunkt.
Die Kommerzialisierung ist heutzutage sogar so weit fortgeschritten, dass es nicht mehr Stadion heißt, sondern Arena. In diesen „Fußball-Arenen“ geht es nicht mehr um den Sport. Es geht um Umsatz, um Profit. In diesen Arenen gibt es sie nicht mehr, die Dinge, die im Stadion von früher so wichtig waren: Das Gefühl zu Hause zu sein, in seinem Element zu sein, das Erlebnis der wahren Emotionen, die niedergeschlagene Stimmung bei den Fans nach einer Niederlage. Es gibt sie nicht mehr, die alten kleinen Bratwurstbuden mit leicht verbrannten Stadionbratwürsten für bezahlbare Preise, die Bierbuden mit dem Bier aus der Gegend im 0,5 Liter Wegwerfbecher.
In den neuen Arenen gibt es Bratwürste vom Fließband, alkoholfreies Bier für 3,50 Euro aus Pfandbechern, in der Halbzeit gibt es auf dem Rasen alberne Gewinnspiele, jedes Tor wird mit Stimmungsmusik untermalt bei der man die Jubelschreie der Stadiongänger nicht mehr hören kann. Das ist nicht der Fußball wie man ihn einst kannte. Das ist nicht der Fußball, wie man ihn als Fan will.
Allerdings sind die Fans, denen diese Dinge wichtig sind auch nicht das Klientel, dass man als Stadionbetreiber, als Fernsehsender, als Sponsor, als Mannschaftsvorstand will….Nicht MEHR will… Man bevorzugt als Fan den gut betuchten Dauerkarteninhaber, der mit Geld und Anhang ins Stadion pilgert, den Freßbüdchen und Fanartikelstores vor Anpfiff noch einen Besuch abstattet, um es sich dann, um ca. 100 Euro erleichtert, in seiner Sitzschale oder VIP-Lounge gemütlich zu machen. Ein Tag im Stadion soll nach amerikanischem Vorbild ein Tag für die ganze Familie werden. Was früher der Zirkus war, ist heute das Fußballstadion.
Die traditionellen Fangruppen werden Stück für Stück aus den Stadien…pardon, Arenen verdrängt, sie sind unerwünscht und sind nur noch eine Subkultur. Diese Subkultur versucht man durch Kriminalisierung, teilweise willkürliche Stadionverbote und Repressionen loszuwerden.
Die Zielgruppe ist eine andere.
Die Menschen die diesen Sport am meisten lieben, die für ihre Mannschaft leben, für sie im Jahr Tausende von Euros für Auswärtsfahrten ausgeben, die ihre Mannschaft an jedem Spieltag im Stadion unterstützen, sich die Seele aus dem Leib schreien, atemberaubende Choreographien planen und organisieren (und vor allem aus eigener Tasche bezahlen!!) sind nicht mehr erwünscht.
Viele Menschen der neuen zahlunsgkräftigeren Zielgruppe gehen allerdings ins Stadion aufgrund der Atmosphäre, der Stimmung.
Aber Geld macht keine Stimmung. Fans machen Stimmung. Fans machen Fußball.

http://www.ultras.ws/fussball—eine-sportart-wird-zu-werbeplattform

2 Antworten zu “Fussball der Verfall einer Sportart”

  1. dieser bericht kommt von herzen und ich kann ihn zu 500% unterstützen. nur der grund der mich überhaupt veranlasst hat diesen kommentar zu schreiben ist die selbstironie einen solchen bericht auf einer seite zu posten die auschließlich von werbung finanziert wird und genau dem entspricht was in diesen (im Text aufgeführten) gedanken negativ kritisiert wird.

    Ostpack - 26. April 2008 um 22:03 Uhr

  2. Ja leider sind wir auch auf Gelder von Sponsoren angewiesen um die laufenden monatlichen Serverkosten abzufangen. Wenn wir auf Spendengelder angewiesen wären, hätte auch diese Webseite keine grosse Zukunft gehabt. Im allgemeinen finanzieren aber auch Ultra Gruppen mit dem Verkauf von Fanartikel ihre Ausgaben. Und wenn die Seite so viel Gewinn abwerfen würde, bräuchten die Macher auch keiner täglichen beruflichen Arbeit nachzugehen. Und wer sich etwas mit der Materie auskennt, weiss was ein eigener Server in dieser Grössenordnung monatlich an enormen Kosten verursacht. Mit einem einfachen Hostingpaket ist es bei den hohen Besucherzahlen leider nicht getan. Auch die tägliche Arbeit um einen Blog dieser Art am Laufen zu halten ist sehr hoch. Wo andere grosse Presseagenturen mit gutbezahlten Redakteuren arbeiten, kommen wir mit 2 aktiven Admins auf http://www.ultrafans.de aus. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, Geld als monatlichen Abo zu verlangen, was aber für uns aus kommerziellen Gründen nicht in Frage gekommen war. Wir haben uns für Werbebanner entschieden, da jeder dadurch jeder selber entscheiden kann ob er den Sponsor besucht oder nicht. Es besteht kein Klickzwang !

    Dann würde die Frage am Ende stehen bleiben: Ist eigene Arbeit und Lebensunterhalt bereits Kommerz? Wir glauben nicht!

    admin - 27. April 2008 um 11:15 Uhr

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