Erlebnisbericht vom Spiel Österreich – Deutschland
15:00 Uhr: Spaziergänge durch Wien, Sortieren der Lage, Begrüßung diverser Leipziger und Hallenser Sportfreunde vor dem Bermuda-Bräu am Schwedenplatz. Sogar die Sportabteilungen Westdeutschlands haben im Gegensatz zu vorherigen Länderspielen Ausgang bekommen und sind zahlreich und teilweise beeindruckend vertreten.
15:30 Uhr: Cafebesuch in Wien. Junge Dame in sehr luftigem Kleidchen platziert sich neben uns. Ihre Begleitung ist (optisch gefühlt) mindestens ihr Vater. In Deutschland wäre das schon sehr aufgefallen, hier im Fritzl-Land fällt das nicht weiter auf, da hier sowieso Vater mit Tochter, Tochter mit Mutter, Sohn mit Mutter, …
16:00 Uhr: Besucher aus einer Stadt 120 km östlich von Leipzig meinen ankündigen zu müssen, dass es dann mit Pyrotechnik auf die österreichischen Beamten losgeht. Schon von der Ankündigung her sinnlose Aktion, was sich später mit vielen Verhaftungen bestätigen sollte. Der denkende Teil der Reisenden verabredet sich für den Prater, um Österreicher zu suchen und zu finden.
16:10 Uhr: Eine weitere Leipziger Reisegruppe um Herrn B. trifft ein. Dieser hat gerade so Zeit, uns zu begrüßen, bevor er weiter pausenlos den Wiener Damen hinterherglotzt.
17:15 Uhr: Ein Unwetter geht los, vom Himmel her naht Abkühlung, in den Straßen um den Schwedenplatz erhitzen sich die Gemüter. Aufgrund des starken Windes fliegen Stühle und Schirme unkoordiniert umher, es blitzt und donnert. Später versucht man dies alles den liebreizenden deutschen Gästen in die Schuhe zu schieben. Wir verziehen uns in die U-Bahn und fahren Richtung Prater.
18:05 Uhr: Das Belauern auf dem Prater und vor dem Schweizerhaus geht weiter. Angesichts der mittlerweile dezimierten Deutschen versucht Österreich-Alt mit der Prater-Security ein gemeinsames Team aufzustellen. Da sich aber der Gegner wieder sammelt, gut durchmischt aus Jung und Alt, wird der Versuch wieder eingestellt. Elton kommt vorbei und wird herzlichst aus vielen Kehlen mit „Scheiß St. Pauli“ angeschrien.
18:20 Uhr: Die Ereignisse überschlagen sich. Ein Leipziger organisiert auf dem Pratergelände ein 50 gegen 50. 60 Sekunden später erlangen auch die Beamten Kenntnis von der erfolgten Verabredung. Diese rasen mit Blaulicht durch den Prater, die aufgewachten Zivis machen einen auf wichtig und die Wiener Stadtreinigung räumt die liegengebliebenen Österreicher weg.
18:31 Uhr: Der ehemalige 1.Vorsitzende des 1.FC Lokomotive Leipzig e.V. taucht in Familie auf und wird von vielen bekannten Gesichtern freundlich begrüßt. Daraus schlussfolgert die Polizei, dass er der Mobchef der Älteren sein muß und macht erst einmal Fotos. Fanprojekt, Mannschaftsleiter und Platzwart des 1.FC Lok treffen sich vor Ort zu einer Gesprächsrunde, wer als nächstes in Probstheida zurücktritt.
19:05 Uhr: Mist, zu spät. Wir haben Claudia Roth verpasst. Dafür haben die schon anwesenden deutschen Wähler ihr mit groben Worten mitgeteilt, was sie von ihr halten. Oder eher nicht halten, um es mal höflich zu formulieren! Vor dem Stadion suchen 4 Leute von 1870 München halbherzig Streit mit Eingeborenen. Wir stellen uns dahinter unterstützend auf, falls es schiefgeht. Seitlich postieren sich 15 Leute auch für den Fall, dass hier was los- oder schiefgeht. Nur hat wieder niemand eine Ahnung, wer wer ist und belauert sich. Lasst uns bitte gegen Italien spielen, die erkennt man wenigstens an der Körpergröße.
20:30 Uhr: Trotz verschiedener Blöcke aufgrund unserer Kartenhin- und herschieberei sitzen und stehen unsere Reisegruppen zusammen. Die Leipzig-Fahne hängt, die Hymne ist gesungen, die Ösis machen Lärm. Das „Wer nicht hüpft, ist ein Piefke“ wird von Leipzig mit „Wer bald blutet, ist kein Deutscher“ beantwortet.
20:35 Uhr: Unsere mitreisenden Ultras fallen unangenehm auf, indem sie die sonst durch uns verbreitete Ruhe und Gelassenheit durch Aufspringen, Mitklatschen und Rumsingen stören. So geht das nicht weiter, wir suchen sofort die Diskussion mit unseren Fanprojektmitarbeitern. Dabei kann man sich, auch bedingt durch den Stadionlärm, nicht zwischen „Ex-Ultras“ und „Drecks-Ultras“ einigen.
http://www.leipzigerjungz.de/home/deutschland/72-03062011-oesterreich-deutschland-12